Arbeit zu ungünstigen Zeiten

Unter den Begriff „Arbeit zu ungünstigen Zeiten“ fallen Samstags- und Sonntagsarbeit ebenso wie eine Arbeit am frühen Morgen und späten Abend.

Arbeit an Wochenende

Für die Beschäftigten bei Feuerwehr und Polizei, in Krankenhäusern, an Tankstellen, in Freizeiteinrichtungen, der Strom, Gas- und Wasserversorgung, dem öffentlichen Nahverkehr und viele andere Berufsgruppen des öffentlichen Dienstes war die Arbeit an Wochenenden schon immer der Normalfall. Zunehmend sind aber auch die Beschäftigten des Einzelhandels (Geschäfte haben lange offen), des produzierenden Gewerbes und des Handwerks betroffen: Kundinnen und Kunden erwarten heute Dienstleistungen die ganze Woche über – und die Betriebe stellen sich auf diese Erwartungen ein. Eine Infratest-Befragung erbrachte, dass fast zwei Drittel der Beschäftigten samstags arbeitet – davon etwa die Hälfte jeden oder jeden zweiten Samstag. Etwa 40% der Beschäftigten arbeiten an Sonntagen – davon wiederum 40% jeden oder jeden zweiten Sonntag.

Der Einfluss der Arbeit an Wochenenden auf das gesundheitliche Wohlbefinden der Beschäftigten ist gut erforscht. In allen Studien lag der Anteil der psycho-vegetativen Beschwerden bei Beschäftigten mit Samstags- oder Sonntagsarbeit höher als bei solchen ohne Sonntagsarbeit. Die Gründe hierfür sind vielfältig.

Der wohl wichtigste Belastungsfaktor dürfte der Einfluss auf das soziale und familiäre Leben sein: Trotz der vielen Ausnahmen ist der Sonntag (und eingeschränkt auch der Samstag) für die Mehrzahl der Beschäftigten und für alle Schul- und Kindergartenkinder ein freier Tag, der für die Freizeitgestaltung zur Verfügung steht. Samstags- und Sonntagsarbeiter können diesen nicht nutzen. Ausgleichszeiten an Wochentagen haben für die Freizeit jedoch nicht den gleichen Wert. Arbeit an Wochenenden greift somit massiv in das Familienleben ein. Es ist daher bedenklich, dass seit Mitte der 1990er Jahre gerade der Anteil der sonntags arbeitenden Mütter stark angestiegen ist.

Arbeit am Abend

Ähnliche Probleme wie die Samstags- und Sonntagsarbeit bereitet auch die Berufstätigkeit am Abend. Hiervon ist knapp die Hälfte der Beschäftigten betroffen – mit stark steigender Tendenz. Neben der öffentlichen Grundversorgung sind dies die Beschäftigten von Freizeiteinrichtungen, der Gastronomie und seit der Liberalisierung des Ladenschlussgesetzes zunehmend auch die Beschäftigten im Einzelhandel.

Ähnlich wie die Arbeit an Sonntagen führt die Arbeit an den Abenden – sofern sie nicht nur gelegentlich nötig wird – zu erhöhten psycho-vegetativen Beschwerden. Diese nehmen mit steigender Wochenarbeitszeit zu.

Die Gründe für die Beschwerden sind fast identisch mit denen der Sonntagsarbeit: Schlechtere Nutzbarkeit der Freizeit, schlechtere Infrastruktur und längere Heimwege.

Arbeit am frühen Morgen

Etwas anders liegen die Probleme bei der Arbeit in den frühen Morgenstunden, die z.B. für das Bäckerhandwerk typisch ist. Selbst Auszubildenden im Bäckerhandwerk sind zu 40% ab 4 Uhr, zu 50% ab 5 Uhr und zu 80% ab 6 Uhr bei der Arbeit. Bei den erwachsenen Bäckerinnen und Bäckern liegt diese Quote noch höher. Da nach dem Arbeitszeitgesetz die Nachtzeit für Bäcker um 5 Uhr endet und Nachtarbeit erst bei 2 Stunden Arbeit in der Nachtzeit beginnt, gilt diese Arbeit nicht als „offizielle“ Nachtarbeit im Sinne des Arbeitszeitgesetzes

Trotzdem sind Folgen für die Gesundheit vorprogrammiert: Rechnet man die (längeren) Wegezeiten hinzu, ist oft ein Ende der Nachtruhe um 2 oder 3 Uhr notwendig. Genügend Schlaf ist dadurch nur bei Verzicht auf die familiären und sozialen Aktivitäten am Abend möglich. Gerade jüngere Beschäftigte entscheiden sich dann oft für die Freizeitaktivitäten – Müdigkeit und ein höheres Unfallrisiko (auch auf dem Weg zur Arbeit) sind die Folgen.

Handlungsmöglichkeiten:
Das können Sie konkret tun

Arbeit zu ungünstigen Arbeitszeiten greift – sofern regelmäßig angeordnet – massiv in das soziale und familiäre Leben der Beschäftigten ein. Sofern sich die Arbeitszeiten nicht vermeiden lassen, sollte eine Teilnahme freiwillig sein. Ist auch dies nicht möglich, sollte die Belastung auf möglichst viele Schultern verteilt werden, damit das Familienleben der einzelnen Beschäftigten möglichst wenig Schaden nimmt.

Rechtlicher Rahmen

Der Samstag gilt nach dem Arbeitszeitgesetz als "normaler" Arbeitstag, ist also nicht besonders gesetzlich geschützt. Daraus resultiert auch die im Gesetz zulässige Höchstarbeitszeit von 48 Stunden pro Woche (6 Tage zu je 8 Stunden). Tarifverträge können hiervon abweichende Regelungen beinhalten – und daher war der Samstag für viele Beschäftigte seit den 1950er Jahren arbeitsfrei.

Im Gegensatz zum Samstag ist der Sonntag kein normaler Arbeitstag: Er genießt daher auch im Arbeitszeitgesetz einen besonderen Schutz: So ist ein Zweck des Gesetzes, den Sonntag als "Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung der Arbeitnehmer" zu schützen. Daher besteht für den Sonntag grundsätzlich ein gesetzliches Beschäftigungsverbot, für das es aber bereits im Gesetz zahlreiche Ausnahmen gibt.