Lange Arbeitszeiten

Die Länge der Arbeitszeit ist ein wichtiger Faktor bei der Abschätzung der Höhe einer Arbeitsbelastung. Hohe Belastungsintensitäten sind beanspruchender, wenn diese für eine lange Zeit ohne Pause ausgeübt werden müssen. Unbestritten ist auch, dass sehr lange Arbeitszeiten einen Belastungsfaktor für die Gesundheit der Beschäftigten darstellen.

Beschäftigte mit langen Arbeitszeiten ermüden stärker, sind weniger konzentriert und aufmerksam und fühlen sich subjektiv erschöpfter. Die Folge: Das Risiko für Unfälle steigt an. Auch andere Parameter, die mit dem Unfallgeschehen in Verbindung stehen, verändern sich mit der Länge der Arbeitszeit. So sinken Wachheit, kognitive Leistung und damit Produktivität mit steigender Arbeitszeit ab. Es verwundert daher nicht, dass auch die Produktivität der Beschäftigten von der Länge der Arbeitszeit abhängt und es einen Zusammenhang mit der Arbeitsqualität gibt.

Eine zunehmende Ermüdung resultiert nicht nur aus langen täglichen Arbeitszeiten, sondern auch aus wöchentlichen. So kann während einer Arbeitswoche die Ermüdung meist nicht vollständig ausgeglichen werden, so dass sich die arbeitsbedingte Ermüdung bei langen Arbeitszeiten und hoher Arbeitsbelastung immer mehr aufstaut, um dann am Wochenende wieder abzusinken.

Lange Arbeitszeiten – insbesondere wenn sie in die Abendstunden fallen – beeinträchtigen zudem das Familienleben der Beschäftigten und damit deren Erholungsfähigkeit.

Text: Dr. Torsten Kunz

Handlungsmöglichkeiten:
Das können Sie konkret tun

Die beste Möglichkeit der Prävention der negativen Effekte langer Arbeitszeiten ist es, sie gar nicht erst entstehen zu lassen und die Arbeit auf mehr Personen zu verteilen. Ist dies nicht möglich, können folgende Maßnahmen helfen:

  • Arbeitszeiten sollten so gestaltet werden, dass sie sich möglichst wenig mit den privat nutzbaren Zeiten überschneiden
  • Lange Arbeitszeiten sollten nicht mit Nacht- oder Schichtarbeit kombiniert werden, da diese Arbeitszeitmodelle durch ihre Auswirkungen auf den „Biorhythmus“ bereits selbst belastend genug sind. Diese Effekte werden durch lange Arbeitszeiten noch deutlich verstärkt.
  • Wenn beim Beschäftigten zur langen Arbeitszeit noch längere Wegezeiten kommen, ist Telearbeit eine weitere Möglichkeit der Reduktion der Belastung.

Das beste Instrument, die Ermüdung bei hoher Arbeitsbelastung zu reduzieren, sind Pausen. Dies gilt nicht nur für die tägliche Arbeit, sondern auch für die wöchentliche. Bei Pausen gilt der Grundsatz, dass der höchste Erholungseffekt zu Beginn der Pause auftritt und der Effekt dann immer weiter absinkt. Viele kurze Pausen haben daher einen höheren Wert als wenige lange (auch wenn die Beschäftigten das oft anders sehen). Der Effekt der Pausenlänge und -frequenz bei körperlicher Arbeit wurde wissenschaftlich untersucht. Während längere Phasen der Beanspruchung – gefolgt von längeren Pausen – schnell zur Erschöpfung führten, konnten die Probanden mit kurzen Belastungsphasen und kurzen Pausen dauerhaft belastende Arbeit ausüben. Dieses Ergebnis ist sicher nicht auf alle Arbeitsplätze übertragbar, bestätigt aber die Tatsache, dass häufige Kurzpausen den besten Schutz vor Ermüdung darstellen.

Rechtlicher Rahmen

In den meisten Tarifverträgen sind für Vollzeitbeschäftigte Arbeitszeiten zwischen 35 und 42 Stunden pro Woche vereinbart. Diese verteilt sich (sofern „Normalarbeitszeit“ gearbeitet wird), auf fünf Tage mit etwa acht Stunden Arbeitszeit.

Betrachtet man die tatsächliche Länge der wöchentlichen Arbeitszeit (einschließlich Überstunden), so stellt man fest, dass nur ein kleiner Teil der Beschäftigten im Rahmen der tarifvertraglich vereinbarten Arbeitszeiten bis 40 Stunden arbeitet, ein großer Teil aber bis 48 Stunden. Immerhin 20% der Männer und 10% der Frauen arbeiten bis 60 Stunden und 10% der Männer und 5,5% der Frauen sogar mehr.

Die Arbeitszeitgesetze lassen längere Arbeitszeiten durchaus zu: Die Richtlinie der Europäischen Union zur Arbeitszeit kennt keine tägliche, aber eine wöchentliche durchschnittliche Höchstarbeitszeit. Diese beträgt einschließlich Überstunden 48 Stunden. Das deutsche Arbeitszeitgesetz lässt grundsätzlich acht Stunden täglicher Arbeitszeit pro Arbeitstag (= 48 Stunden pro Arbeitswoche) zu. Die tägliche Arbeitszeit kann temporär auf bis zu zehn Stunden pro Tag (= 60 Stunden pro Woche) verlängert werden, wenn innerhalb von 24 Wochen ein zeitlicher Ausgleich erfolgt. In Tarifverträgen kann werktäglich die Arbeitszeit auch über zehn Stunden verlängert werden, wenn "in der Arbeitszeit regelmäßig und in erheblichem Umfang Arbeitsbereitschaft oder Bereitschaftsdienst fällt".