Sinnhaftigkeit

„Weil das, was ich tue, Sinn macht“ wäre die gesundheitsförderlichste Antwort auf die Frage, warum wir arbeiten gehen. Macht etwas Sinn, dann ist es uns Wert, Aufwand und Energie darin zu investieren.

Wenn wir es in einer Gesellschaft als sinnvoll erleben, Brot zu backen, den Müll abzutransportieren, Verbrechen zu ahnden, Kinder zu erziehen, das Wetter vorher zu sagen, Autos herzustellen – also wenn wir unsere Arbeitsaufgaben als sinnvoll und erfüllt erleben, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir mit unserer Arbeit zufrieden, dafür motiviert und stolz darauf sind.

Dieser Tätigkeitssinn, der aus objektiven wie subjektiven Sinn von Arbeitsaufgaben besteht, ist vergleichbar mit dem Gefühl von Sinnhaftigkeit, das der Medizinsoziologe Aaron Antonovsky beschrieben hat. Zusammen mit der Verstehbarkeit und der Handhabbarkeit ergibt das Gefühl der Sinnhaftigkeit das sogenannte Kohärenzgefühl. Man versteht darunter eine Art grundsätzliches Vertrauen darin, dass Ereignisse im Leben vorhersehbar und strukturiert sind, dass man über eigene Möglichkeiten verfügt, die Ereignisse zu meistern und dass es die Anstrengung wert ist, die Herausforderungen anzugehen.

Antonovsky stellte fest, dass besonders in schwierigen Zeiten Menschen mit einem ausgeprägten Kohärenzgefühl in der Regel gesünder sind und bleiben als ihre Mitmenschen ohne dieses. Und er postulierte, dass ohne die Sinnhaftigkeit das Leben und seine Herausforderungen als quälend empfunden werden, auch wenn die Komponenten Verstehbarkeit und Handhabbarkeit hoch ausgeprägt sind.

Übertragen auf den Arbeitskontext bedeutet dies: auch wenn man weiß, wie und wann etwas zu tun ist und man auch über die Qualifikation, Kompetenzen und Befugnisse verfügt, die Arbeit zu erledigen – wenn der Sinn der Tätigkeit fehlt oder nicht erkennbar ist, fällt es schwer, auf Dauer mit der Arbeitsaufgabe zufrieden zu sein.

Handlungsmöglichkeiten:
Das können Sie konkret tun

Als Einzelperson:

  • Erinnern Sie sich: was hatte Sie bewogen, Ihren jetzigen Beruf auszuüben? Gab es eine Sinn-Komponente bei Ihrer Entscheidung? Ist sie noch vorhanden?
  • Nicht jeder kann Supermann oder Superfrau sein und gleich die ganze Welt retten. Auch viele Alltäglichkeiten sind wichtig im Zusammenleben: Was tragen Sie durch Ihre Arbeit für die Gesellschaft bei?

Als Organisation:

  • Kommunizieren Sie das „große Ganze“: Was machen wir hier überhaupt?
  • Kommunizieren Sie den Tätigkeitssinn jeder einzelnen Aufgabe.
  • Erkennen Sie den Beitrag jeder einzelnen Tätigkeit zum „großen Ganzen“ an und verdeutlichen Sie dies immer wieder: Alle tragen zum großen Ganzen bei.
  • Achten Sie auf folgende Merkmale in der Arbeitssituation. Sie haben eine förderliche Wirkung auf die Sinnhaftigkeit: Abwechslung, Anforderungsvielfalt, Lernmöglichkeiten, Partizipation und Entwicklungsperspektiven

Text: Sonja Wittmann, UK RLP