Beratung zur Gefährdungsbeurteilung

Ausgabejahr 2016
Datum 29.07.2016

Nicht unter Druck setzen lassen

Immer häufiger nutzen unseriöse Institute, Agenturen oder Berater das Argument der gesetzlichen Pflicht zur Durchführung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung, um Betriebe unter Druck zu setzen und aus ihren angebotenen Dienstleistungen privatwirtschaftliche Vorteile zu ziehen.

„Darauf sollte man sich nicht einlassen“, so die Diplom-Psychologin Sonja Berger aus dem Bereich Arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU). Es gibt zwar die Pflicht der Betriebe, eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung durchzuführen, diese zu dokumentieren und einen nachvollziehbaren Prozess zu implementieren, „aber die Androhung von Bußgeldern oder Regress von Dienstleistern und Beratern basiert nur auf deren finanziellen Interessen. Die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung sowie alle Beteiligten des Arbeitsprogramms GDA Psyche distanzieren sich von den Angeboten der selbsternannten Experten“, so Berger.

Motivation für die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung sollten weder Angst noch Druck sein, sondern die Einsicht der Unternehmerinnen und Unternehmer sowie der Führungskräfte, dass nur physisch und psychisch gesunde Beschäftigte zum Erfolg des Unternehmens beitragen können.

Persönliche Beratung und Unterstützung durch vielfältige Medien bekommen die versicherten Betriebe und Einrichtungen von den zuständigen Unfallversicherungsträgern sowie den Gewerbeaufsichten.

Hintergrund:

Als Berater der Betriebe bei der Einbindung der psychischen Belastungen in die Gefährdungsbeurteilung fungieren üblicherweise die Fachkräfte für Arbeitssicherheit und die Betriebsärzte. Diese werden von den Betrieben ohnehin gemäß der DGUV Vorschrift 2 beauftragt. In einigen Fällen werden auch Arbeitspsychologen als Experten hinzugezogen. Somit ist auch die Einbeziehung externer Berater durchaus angemessen, so lange sie Fachwissen einbringen, das im Betrieb zu diesem Thema nicht vorhanden ist.

Keiner der externen Berater ist aber gesetzlich befugt, Bußgelder zu verhängen oder Betriebe in Regress zu nehmen. Dies wäre nur von Seiten der Unfallkassen und Berufsgenossenschaften sowie der staatlichen Ämter für Arbeitsschutz möglich, die aber beim Thema „Einbeziehung der psychischen Belastungen in die Gefährdungsbeurteilung“ momentan primär auf die Beratung der Betriebe und die Qualifizierung der Verantwortlichen setzen. Insbesondere die Unfallversicherungsträger beschäftigen inzwischen zahlreiche Arbeitspsychologen zur Beratung der Betriebe und zur Durchführung von Projekten zur Reduktion psychischer Belastungen am Arbeitsplatz.

Pressekontakt:
Natalie Peine
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